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    Diabetische Polyneuropathie - Folge erhöhten Blutzuckerspiegels

    Die diabetische Polyneuropathie ist eine schmerzhafte und die Lebensqualität stark einschränkende Erkrankung mehrerer peripherer Nerven. Sie ist durch starke Schmerzen, störende Missempfindungen, Lähmungen und sonstigen Funktionsstörungen bis hin zu lebensbedrohlichen Folgen gekennzeichnet. 25.000 Amputationen pro Jahr z.B. des diabetischen Fußes sind auf das Absterben peripherer Nervenzellen zurückzuführen.

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    Von der Folgeerkrankung sind rund 8 bis 54% der Diabetiker Typ-1 und 13 bis 46% aller Diabetiker des Typ-2 betroffen. Dabei steigt das Risiko mit zunehmender Krankheitsdauer linear an. Prävention ist nach wie vor die beste Therapie, da selbst gut eingestellte Blutzuckerspiegel der Gefahr nicht entbehren.


    Inhaltsverzeichnis

    1. Ursachen und Risikofaktoren
    2. Formen und Symptome
    3. Behandlungsmöglichkeiten
    4. Schmerzbehandlungen

    Ursachen und Risikofaktoren

    Alle vom Gehirn oder Rückenmark ausgehenden Nerven, die zu Organen streben, werden periphere Nerven genannt und können erkranken (sensomotorische Polyneuropathie). Jeder Nerv besteht aus einem Neuron (Nervenzelle), einem Axon (Nervenfaser) und der isolierenden, schützenden Myelinscheide (Markscheide). Polyneuropathien können sowohl die Myelinscheide als auch das Axon selbst schädigen und so die Weiterleitung der Aktionspotentiale (Reizimpulse) verstärken oder vollständig unterdrücken.

    In Folge der Hyperglykämie (erhöhter Blutzuckerwerte) kommt es nicht selten zu einer irreversiblen Schädigung peripherer Nerven. Zum einen führt der gesteigerte Blutzuckerspiegel zu einer Reaktion an den Nerven und somit zu einer Störung des Metabolismus. Abbauprodukte akkumulieren und wirken toxisch. Zum anderen verschließt der hohe Zuckergehalt kleine Blutgefäße, die den lebensnotwendigen Sauerstoff zu den Nervenzellen führen. Diese durch die mikrovaskulären Veränderungen ausgelöste Mikroangiopathie führt ferner zu einer Verdickung der Gefäßwände und dem Verschließen des Lumens (Zellhohlraum) und so zum Sauerstoffmangel der Nervenzellen.

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    Neben der Hyperglykämie und der Dauer der Erkrankung sind Hypertonie (Bluthochdruck), Adipositas (starkes Übergewicht), Hyperlipidämie (erhöhter Cholesterinspiegel), Vitamin-D-Mangel sowie erhöhter Alkohol- und Nikotinkonsum als Risikofaktoren zur Ausbildung der diabetischen Polyneuropathie zu nennen.

    Formen und Symptome der diabetischen Polyneuropathie

    Ausprägung und Form der diabetischen Polyneuropathie sind individuell und können sich während des Krankheitsverlaufs stetig verändern. Daher sind regelmäßige Screenings notwendig. Die Polyneuropathie kann sowohl das somatische Nervensystem (willentlich steuerbar) als auch das autonome Nervensystem befallen. Dabei erkrankt das autonome oder vegetative Nervensystem glücklicherweise deutlich seltener.

    Periphere Neuropathie:

    Die symmetrisch auftretenden Beschwerden beginnen überwiegend in den Füßen und Fingern und betreffen sowohl die Sensibilität (Tastsinn) als auch die Motorik (Bewegungsfähigkeit) der betroffenen Regionen. Starke Schmerzen oder Dysästhesien (Missempfindungen), die als Kribbeln oder Ameisenlaufen beschrieben werden, sind häufig. Aber auch reduziertes Wärme-, Kälte- und Vibrationsempfinden, verringerte Schweißsekretion, fehlender oder verringerter Achillessehnenreflex sowie allgemeines Taubheitsgefühl treten auf.

    Fußulzerationen, also schlecht verheilende Wunden, stellen eine starke Gefahr dar, da selbst Blasen an den Füßen zum Infektionsrisiko werden. Doch auch Lähmungen durch unterbrochene Nervenfasern sind möglich. Bekannteste Folge ist der diabetische Fuß. Durch Unterversorgung und Infektionen sterben Körperzellen ab und eine Amputation bleibt unumgänglich. Mit fortlaufender Krankheit können aber auch die ganzen Beine sowie der Rumpf von Schmerzen betroffen sein.

    diabetischer fuß

    Sonderform proximale Neuropathie:

    Die unsymmetrischen Beschwerden sind durch Schmerzen in einem Bein, insbesondere dem Oberschenkel und der Gesäßhälfte gekennzeichnet. Sie führt zur Atrophie (Muskelschwund), sodass eine Gehbehinderung der Patienten auftritt, die sich schnell so sehr verschlimmert, dass selbst Aufstehen nicht ohne fremde Hilfe möglich ist und die Pflegebedürftigkeit einsetzt.

    Autonome Neuropathie:

    Das autonome Nervensystem steuert Körperprozesse wie die Atmung, Herzschlag und -frequenz, Peristaltik aber auch den Sehnerv. Neuropathien dieser Nerven können daher sogar lebensbedrohlich sein, wenn Atmung und Herzschlag plötzlich aussetzen.

    Ebenfalls einschneidende Behinderungen entstehen durch die unregelmäßige Peristaltik, die sich sowohl in Durchfall als auch Verstopfung bis hin zur Stuhlinkontinenz niederschlagen kann. Ist der Blasennerv betroffen, bemerkt der Patient keinen Harndrang und es kommt zu einer Überlaufinkontinenz.

    Seltene Sonderform fokale Neuropathie:

    Bei der fokalen Neuropathie sind nur wenige Nerven im Gesicht betroffen. Am häufigsten kommt es zu einer Lähmung der Augenmuskeln (Nervus Occulomotorius und Nervus Abducens). Das Sehen von Doppelbildern, die Unfähigkeit zur optischen Fixierung eines Gegenstandes, Schmerzen hinter dem Auge sowie ein herunterfallendes Augenlid sind typische Symptome. Die Retinopathie führt sogar zum Erblinden. Selten wird der Gesichtsnerv (Nervus Facialis) betroffen, wodurch es zur Beeinträchtigung der mimischen Muskulatur sowie einer Gesichtslähmung kommen kann.

    Behandlungsmöglichkeiten

    Unabhängig von der Form der diabetischen Polyneuropathie wirkt sich die Bekämpfung des Vitamin-D-Mangels, regelmäßige sportliche Betätigung sowie Verringerung des Übergewichts, Alkohol- und Nikotinkonsums positiv auf die Patienten aus. Insbesondere schlecht eingestellte Blutzuckerspiegel müssen unbedingt korrigiert werden.

    Durch diese Verbesserungen der Lebensumstände konnte sogar eine Verringerung bestehender Nervenschädigungen in geringem Maß beobachtet werden.

    Schmerzbehandlungen

    Die Schmerzbehandlung erfolgt in Abhängigkeit von der Schmerzintensität und -dauer. So kommen Paracetamol und Novalgin als akute schmerzreduzierende Mittel der peripheren Neuropathie in Frage. Treten Schmerzen chronisch auf, wird auf Tramadol, antiepileptische Medikamente wie z.B. Gabapentin und Carbamazepin, die die Reizleitung an den Muskelzellen verringern oder trizyklische Antidepressiva, wie Clomipramin, Imipramin, Amytryptilin oder Desipramin zurückgegriffen. Auch das äußere Einreiben mit Capsaicin hat sich als schmerzlindernd erwiesen.

    Als alternative Heilmethoden bieten sich die transkutane, elektrische Nervenstimulationen (TENS oder BCR-Therapie) an, bei welchen schmerzende Körperregionen mit einem schwachen Mikrostrom durchflossen werden. Auch physikalische Therapien, die Wechselbäder mit kaltem und warmem Wasser sowie Gymnastik und Massagen verordnen, wirken durchblutungsfördernd und schmerzreduzierend.

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