Medikamentöse Therapie des Hirsutismus

Der Begriff "Hirsutismus" ist vom Lateinischen "hirsutus" abgeleitet, was "stachelig" bedeutet. Bezeichnet wird damit eine übermäßige Behaarung bei Frauen, die an männliche Behaarung denken lassen. Zum Beispiel finden sich kräftige Haare über der Oberlippe und am Kinn oder vom Bauchnabel Richtung Schambereich ziehend. Es handelt sich dabei nicht an sich um eine Krankheit, sondern ein Symptom, dem verschiedene Ursachen zugrunde liegen können.

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Verfügbare Behandlung Hirsutismus
Vaniqa
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Vaniqa

  • Anwendung im Gesicht
  • Wird als Creme aufgetragen
  • Enthält den aktiven Wirkstoff Eflornithin

Auslöser von Hirsutismus entscheiden über die Behandlungsmöglichkeiten

90 Prozent der Fälle von Hirsutismus entstehen durch eine erhöhte Empfindlichkeit von Rezeptoren für männliche Sexualhormone. In den meisten Fällen ist Hirsutismus vergesellschaftet mit einer Form des Haarausfalls, der Alopecia androgenetica der Frau. Insgesamt sind fünf bis zehn Prozent aller Frauen betroffen. Selten ist der Hirsutismus das Symptom einer Grundkrankheit oder wird durch ein Medikament ausgelöst.

Mögliche Medikamente sind Ciclosporin A, Steroide und Phenytoin. Grundleiden, die zu vermehrter und männlicher Behaarung führen, sind beispielsweise das Androgenitale Syndrom (AGS), durch das bei unbehandelten Mädchen ein männlich erscheinendes Genitale entsteht, aber Gebärmutter und Eierstöcke vorhanden sind.

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Außerdem kann das Polyzyklische Ovarialsyndrom (PCOS) Hirsutismus und Vermännlichung hervorrufen. Darüber hinaus produzieren manche Krebszellen Androgene oder ACTH. Zum Beispiel kann ein Nierenkrebs männliche Sexualhormone produzieren, die zur Vermännlichung und verstärktem Haarwuchs führen.

Therapieziele in der Behandlung von Hirsutismus

Es können drei Strategien unterschieden werden, die darauf abzielen, das Symptom Hirsutismus einzudämmen. Zum einen kann der Blutspiegel von männlichen Sexualhormonen gesenkt werden, zum anderen ist die Blockierung von Rezeptoren für männliche Sexualhormone möglich. Zusätzlich kann eine lokale Behandlung durchgeführt werden, indem die Haare entfernt werden. Liegt dem Hirsutismus eine Erkrankung zugrunde, sollte diese therapiert werden.

Zur Behandlung stehen ganz unterschiedliche Medikamente zur Verfügung. Möglichkeiten der Linderung der Beschwerden bestehen auch im Bleichen der Haare, Enthaaren, Rasieren, Wachs-Behandlung, Zupfen oder einer Laserbehandlung zum dauerhaften Abtöten der Haare.

Welche Medikamente stehen zur Hirsutismus-Behandlung zur Verfügung?

Die meisten Medikamente, die zur Verfügung stehen, greifen in den Hormonhaushalt des Körpers ein. Somit wird die direkte Ursache bekämpft und unterdrückt. Das Ansprechen ist nur dann gegeben, wenn dem Hirsutismus eine hormonelle Ursache zugrunde liegt.

Eflornithin ("Vaniqa") verlangsamt den Haarwuchs

Seit 2001 ist Vaniqa in Deutschland zugelassen. Als Creme direkt auf die behaarte Haut aufgetragen, bremst es den Haarwuchs, führt aber nicht zum Haarausfall. Stattdessen werden die Haare weniger dunkel, kürzer und weicher. Seine Wirkung entfaltet Eflornithin über die irreversible Hemmung der Ornithindecarboxylase, die eine wichtige Rolle für Zellvermehrung und Zellfunktionen spielt.

Wirkung von Eflornithin bei Hirsutismus

Die Ansprechraten auf Eflornithin-Creme schwanken je nach Studie und werden auf 23 bis 41 Prozent geschätzt. Bei weißen und normalgewichtigen Frauen ist die Wirkung von Eflornithin besser. Als Nebenwirkung können Brennen, Stechen, Kribbeln, Ausschlag und Rötung der Hautstelle auftreten. Nach dem Absetzen dauert es etwa acht Wochen, bis die Haare wieder so dunkel und kräftig wie zuvor nachwachsen.

Vaniqa gegen Damenbart vaniqa
  • verlangsamt Haarwachstum
  • Wirkung von Studien bestätigt
  • einfache Anwendung
  • schmerzfrei

Weitere Informationen

Wenn der Hirsutismus als Krankheitsbild vom Arzt diagnostiziert wurde und großer Leidensdruck besteht, können die Krankenkasse unter Umständen die Kosten für die Behandlung übernehmen. Allerdings fehlen bislang eindeutige Studien zur Langzeitwirkung bei Daueranwendung. Experten können sich vorstellen, dass die behandelte Haut auf Dauer dünner werden könnte. Als Medikament in die Vene wird Eflornithin übrigens in der Behandlung der Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) eingesetzt.

Antibabypille wirkt antiandrogen

Die kombinierten Präparate der "klassischen Antibabypille" enthalten ein Östrogen und ein Gestagen. Manche Gestagene verfügen über eine antiandrogene Wirkung, bremsen also die Wirkung und Produktion von männlichen Sexualhormonen. Eine ausgeprägte antiandrogene Wirkung besitzt Cyproteronacetat, das in der Therapie des Hirsutismus in seiner Wirksamkeit gut belegt ist. Aber auch Dienogest und Drospirenon wirken antiandrogen. Bis die volle Wirkung eingetreten ist, können neun bis zwölf Monate vergehen.

Langwirksame GnRH-Agonisten regulieren die Hormonfreisetzung

GnRH ist die Abkürzung für Gonadotropin-Releasing-Hormon, das die Freisetzung von Sexualhormonen bewirkt. Natürlicherweise wird es pulsatil aus einem bestimmten Gehirnbereich freigesetzt. Werden nun langwirksame GnRH-Agonisten (Agonisten wirken gleichgerichtet) verabreicht, ist der Spiegel an GnRH eher konstant als periodisch schwankend.

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Dadurch kommt es nicht zu einer gesteigerten Hormonfreisetzung, obwohl dies zunächst anzunehmen wäre. Stattdessen fällt durch Verlust der Schwankungen die Hormon-freisetzende Wirkung ab. Die Rezeptoren werden herunterreguliert. Bis die Wirkung eintritt, vergehen meist zwei bis drei Monate.

Da GnRH-Agonisten starke Nebenwirkungen wie Verringerung der Knochendichte und Hitzewallungen haben, handelt es sich bei dieser Medikamentengruppe um ein Reserve-Präparat, das nur dann angewendet wird, wenn andere Maßnahmen nicht wirksam sind. Zumeist werden GnRH-Agonisten in diesem Fall mit einem Östrogen-Progesteron-Ersatz beziehungsweise einer Antibabypille oder einem Androgen-Blocker verabreicht.

Insulin-Sensitizer: Metformin kann unter Umständen die Behaarung reduzieren

Beim Polyzystischen Ovarialsyndrom kann die Gabe von Metformin nicht nur erhöhte Blutzuckerspiegel senken, sondern auch die Ausprägung der Behaarung drosseln. Eine bei PCOS oder Diabetes mellitus Typ 2 durchaus gewünschte Nebenwirkung des Metformins ist die Gewichtsabnahme.

Androgen-Rezeptor-Blocker blockiert die Wirksamkeit der Androgene

Die Blockade der Rezeptoren für männliche Sexualhormone unterbindet die Wirksamkeit der Androgene und bekämpft so den Hirsutismus. Als sehr wirksam hat sich der Aldosteron-Antagonist Spironolacton herausgestellt, der zum Beispiel Anwendung in der Therapie von Bluthochdruck findet.

Außerdem kann Finasterid, ein Hemmer der 5-alpha-Reduktase, die das männliche Sexualhormon Testosteron in seine stärker wirksame Form Dihydrotestosteron umwandelt, zur Behandlung von Hirsutismus eingesetzt werden. "Off label" (zulassungsüberschreitende Einsatz von für andere Erkrankungen zugelassenen Arzneimitteln) können Flutamid oder Bicalutamid verabreicht werden.

Die Androgen-Rezeptor-Blocker sollten für einen guten Effekt mindestens für zwei Jahre eingenommen werden. Allerdings darf in diese Zeit keine Kindszeugung, Schwangerschaft oder Stillzeit fallen. Bei einem ungeborenen männlichen Kind würde beispielsweise durch die Einnahme von Androgen-Rezeptor-Blockern die Entwicklung des männlichen Genitales gestört werden.

Welche Medikamente wirken am effektivsten?

In Studien erscheint die Therapie mit 100 mg Spironolacton am effektivsten. Danach folgen mit ähnlicher Wirksamkeit die Antibabypille mit Cyproteronacetat, Dienogest oder Drospirenon sowie Finasterid. Leichtere Formen von Hirsutismus lassen sich gut mit der Antibabypille "Diane 35" oder deren Generika behandeln. In den Wechseljahren kann "Climen" die Beschwerden lindern. Grundsätzlich sollte das Präparat zur Patientin passen.

So würde es beispielsweise wenig Sinn machen, einer Patientin, der häufiger wegen niedrigem Blutdruck schwarz vor Augen wird, Spironolacton zu verabreichen, obwohl dessen Wirkung gegen Hirsutismus sehr gut ist. Dadurch, dass Spironolacton den Blutdruck noch weiter senkt, würde eine solche Patientin noch häufiger mit Schwindel und Schwäche zu kämpfen haben. Ebenso macht die Gabe von Metformin bei Frauen mit völlig unauffälligen Blutzuckerspiegeln und ohne PCOS wenig Sinn. Die Beratung durch den Arzt ist wichtig, um das passende Präparat erhalten zu können.


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Quellen: