Priapismus (Dauererektion)

Die Gesundheitsstörung "Priapismus" (Dauererektion) ist zwar selten und betrifft nur zwischen einen und drei Männer von 100.000, allerdings kann das Auftreten einer Dauererektion einen medizinischen Notfall darstellen und unbehandelt schwerwiegende Folgen haben.

Was ist ein Priapismus?

Unter einem Priapismus versteht man eine anhaltende Erektion über mehr als vier Stunden, ohne dass sexuelle Erregung vorliegt. Manche Quellen bezeichnen bereits eine Erektion über zwei Stunden als Priapismus. In der Klassifikation werden zwei verschiedene Typen des Priapismus unterschieden, denen verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Außerdem ist die korrekte Klassifikation eines Priapismus entscheidend für die angezeigte Therapie.

Die gefährlichere und häufigere Form ist der sogenannte "Low-Flow-Priapismus" (aus dem Englischen: "langsamer Blutfluss"), auch als ischämischer, Stase- oder veno-occlusiver Priapismus bezeichnet. Darunter fallen 90 % der Fälle von Priapismus. Charakteristisch für den Low-Flow-Priapismus ist der Stau venösen Blutes, was mit einem Absinken des Sauerstoffgehaltes und des pH-Wertes des Blutes einhergeht. Üblicherweise äußert sich diese Minderversorgung des Gewebes durch heftigen (Ischämie-)Schmerz. Es handelt sich dabei um einen urologischen Notfall, der innerhalb von zwölf Stunden dringend behandelt werden sollte, da bleibende Folgeschäden drohen.

erektion

Eine Sonderform des Low-Flow-Priapismus ist der intermittierende Priapismus (Englisch: stuttering priapism), bei dem eine Folge von nicht sexuell ausgelösten Erektionen auftritt, die jeweils innerhalb von drei bis vier Stunden von selbst wieder verschwinden. Zwischen den einzelnen Erektionen einer Folge können Stunden, Tage oder Wochen vergehen.

Die weniger gefährliche Form, die nur rund zehn Prozent der Fälle ausmacht, ist der High-Flow-Priapismus, auch als nicht-ischämischer oder arterieller Priapismus bezeichnet. Bei dieser Form entsteht kein Sauerstoffmangel und der venöse Abfluss ist frei. Stattdessen besteht ein unkontrolliert starker (arterieller) Blutzustrom. Selten bestehen dadurch Schmerzen, der Penis erscheint elastisch und pulsierend.

Welche Ursachen hat eine Dauererektion?

Die Ursache des Low-Flow-Priapismus ist eine Störung des venösen Blutabflusses. Zu den häufigsten Ursachen gehören die Sichelzellanämie, die chronisch myeloische Leukämie (CML), urologische Entzündungen, SKAT (Schwellkörper-Autoinjektionstherapie) mit Papaverin oder Prostaglandin E1 (Alprostadil) sowie die Einnahme von PDE-5-Hemmern (Sildenafil (Viagra), Tadalafil, Vardenafil). Darüber hinaus können andere Erkrankungen des Blutes (Gerinnungsstörungen, Thalassämie, Hämodialyse), metabolische Erkrankungen (Diabetes, Gicht), Drogen (Kokain, Marihuana, Missbrauch von Alkohol), neurologische Störungen (Multiple Sklerose, Verletzungen oder Quetschungen des Rückenmarks) und einige Medikamente (Antidepressiva, Antipsychotika, Gerinnungshemmer, Blutdrucksenker, alpha-Blocker) das Auftreten eines Priapismus begünstigen.

Dauererektion

In 30 bis 60 Prozent der Fälle bleibt die Ursache eines Low-Flow-Priapismus allerdings unklar und dieser wird dann als idiopathischer oder primärer Priapismus bezeichnet. Die möglichen Ursachen des High-Flow-Priapismus sind vor allem Verletzungen im Damm- oder Genitalbereich, beispielsweise Verletzungen durch Unfälle, Injektionen (zum Beispiel SKAT) oder Operationen. Nach der Verletzung können Stunden bis Tage vergehen, bis ein Priapismus auftritt.

Welche Folgen kann ein Priapismus haben?

Erfolgte eine nicht-operative (konservative) Therapie innerhalb des empfohlenen Zeitfensters von zwölf Stunden, bleibt ein Low-Flow-Priapismus meist folgenlos. Musste eine Operation durchgeführt werden, besteht ein Risiko von 50 bis 90 Prozent für eine bleibende Erektionsstörung. Dabei ist ein distaler Shunt mit einem geringeren Risiko behaftet als ein proximaler Shunt.

Außer der durch Fibrosierung (Vermehrung des Bindegewebes) der Schwellkörper entstehenden Erektionsstörung können Folgen des Eingriffs Einblutungen, Fistelbildung der Harnröhre und Entzündung der Schwellkörper (Kavernitis) sein.

Wie wird ein Priapismus diagnostiziert?

Für den medizinischen Laien kann es sehr schwierig sein, zwischen Low-Flow- und High-Flow-Priapismus zu unterscheiden. Darum ist es ratsam, bei einer vierstündigen oder länger bestehenden Erektion einen Urologen oder eine Klinik aufzusuchen. Dem Arzt sollte mitgeteilt werden, seit wann die Erektion besteht, ob so etwas schon einmal vorgekommen ist und wenn ja, wie oft dies der Fall war. Außerdem sind begleitende Erkrankungen, eingenommene Medikamente und Drogen sowie der Konsum von Alkohol, SKAT und vorausgegangene Verletzungen von Interesse.

In der körperlichen Untersuchung wird der Arzt auf Farbe, Schmerzhaftigkeit und Steife des Penis achten sowie nach möglichen Verletzungen suchen. Aus den Schwellkörpern wird zur Sicherung der Diagnose Blut abgenommen. Daraus kann über Bestimmung von pH-Wert, Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt sicher zwischen den beiden Typen unterschieden werden.

Des Weiteren empfiehlt sich das Anfordern eines Blutbildes inklusive Differenzialblutbild, um eine möglicherweise ursächliche Bluterkrankung zu entdecken. Eventuell kann die Abgabe einer Urinprobe zum Drogen-Screening angezeigt sein. Schließlich kann der behandelnde Arzt noch mit einem farbcodierten Ultraschallgerät den arteriellen Zufluss und venösen Abfluss darstellen.

Wie wird ein Priapismus behandelt?

Zu den selbst durchführbaren Erstmaßnahmen gehört die Kühlung von Penis und Damm (beispielsweise mit einem kalten Waschlappen oder einem Handtuch mit Eiswürfeln). Der High-Flow-Priapismus kann dadurch bereits verschwinden. Eventuell kann eine sexuelle Stimulation bis zum Orgasmus hilfreich sein. Wichtig ist, keine Medikamente oder Drogen mehr zu konsumieren, da sie als Auslöser nicht ausgeschlossen werden können.

Behandlung des Low-Flow-Priapismus

Beim Low-Flow-Priapismus sind ärztliche Maßnahmen innerhalb von zwölf Stunden dringend notwendig. Der Arzt kann bis zu 500 Milliliter Blut aus den paarig angelegten Schwellkörpern des Penis absaugen, was die Schmerzen bereits deutlich lindern kann. Gegebenenfalls wird mit einer Kochsalz-Lösung (eventuell mit Zusatz von Heparin) nachgespült. Bleibt diese Maßnahme ohne Erfolg, wird ein Medikament in die Schwellkörper injiziert, das dafür sorgt, dass sich die Gefäße verengen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Phenylephrin oder Adrenalin. Die Injektion kann nach fünf bis zehn Minuten wiederholt werden, falls sich keine Besserung einstellt.

Ist auch diese Therapie ohne Erfolg, kann ein Shunt, also eine Verbindung zu den Schwellkörper-Venen, hergestellt werden. Ein distaler Shunt, bei dem das Blut zur Eichel abfließt, ist dabei die erste Wahl. Wenn dieser Shunt keine Besserung bringt, kann dieser Shunt erneuert werden oder weiter proximal, das bedeutet Richtung Penis-Schaft, gelegt werden. Wenn auch diese Maßnahme scheitert, ist eine notfallmäßige Operation angezeigt.

Behandlung des High-Flow-Priapismus

Die Behandlung des High-Flow-Priapismus besteht zumeist im Abwarten, es handelt sich nicht um einen Notfall. Zwei Drittel der Fälle bilden sich von selbst zurück. Bleibt die Dauererektion jedoch bestehen, kann eine Darstellung der Gefäße (Angiographie) mit anschließender Embolisation oder Ligatur zum Verschluss zuführender Gefäße führen. Allerdings ist dieser Eingriff in 50 Prozent der Fälle mit einer bleibenden Erektionsstörung verbunden.

Kann einer Dauererektion vorgebeugt werden?

Um dem Wiederauftreten eines Priapismus vorzubeugen, sollte die zugrundeliegende Ursache herausgefunden und behandelt werden. Außerdem ist von übermäßigem Alkoholkonsum und der Einnahme illegaler Drogen sowie Missbrauch von Potenzmitteln abzuraten.


Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren:

Nebenwirkungen von Viagra erkennen und vermeiden+

PDE-5-Hemmer im Vergleich+

Medikamente als Ursache für erektile Dysfunktion+

Impotenz bei Diabetes+

Quellen: