Prä-Expositions-Prophylaxe

Bei einer bestehenden HIV-Infektion ist es zwar möglich, die Infektion medikamentös zu unterdrücken, aber eine Heilung ist bislang ausgeschlossen. In den letzten fünf Jahren wurde daher intensiv an einem vorsorglichen Schutz vor der Ansteckung geforscht, was zur Entwicklung der sogenannten PrEP führte. PrEP ist die Abkürzung für Präexpositionsprophylaxe und bedeutet, dass eine Ansteckung oder Ausbreitung des Virus schon vor dem ersten Kontakt unterbunden werden soll. Als besonders erfolgsvorsprechend galten dafür bislang die beiden Wirkstoffe Emtricitabin und Tenofovirdisproxil. Jetzt ist unter dem Namen Truvada auch in Deutschland ein Medikament zur PrEP erhältlich, dass das Risiko einer Infektion um bis zu 86 % senkt.

Dieses Produkt ist derzeit nicht auf Lager. Wir gehen davon aus, dass das gewünschte Medikament in Kürze wieder verfügbar sein wird. Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an, damit wir Sie informieren können, sobald dieses Medikament wieder verfügbar ist.

Definition: Was ist HIV?

HIV ist ein Virus, der die Zellen im Immunsystem schädigt und so das körpereigene Abwehrsystem schwächt. Obwohl das Virus nach einer Infektion nicht aus dem menschlichen Körper entfernt werden kann, ist es durchaus möglich, die Symptome zu unterdrücken. Durch die Behandlung mit verschiedenen Medikamenten kann die virale Funktionsweise unterdrückt werden, sodass das Immunsystem weiter ausreichend gute Arbeit leistet.

Sollte die virale Infektion unbehandelt bleiben, besteht die Gefahr der Entstehung einer AIDS Erkrankung. In Folge der Schwächung des Immunsystems durch den HI-Virus infiziert sich der/die Betroffene dabei wiederholt mit verschiedenen Infektionen und Krankheiten, die aufgrund der ausgeprägten Immunschwäche häufig lebensbedrohlich verlaufen.

Was genau ist der Unterschied zwischen HIV und AIDS?

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die beiden Abkürzungen HIV und AIDS häufig synonym gebraucht und obwohl sie eine ähnliche Bedeutung haben, lassen sich beide Begriffe klar und unabhängig voneinander definieren.

AIDS ist die Abkürzung für den englischen Begriff Acquired Immune Deficiency Syndrome, zu Deutsch in etwa "erworbenes Immun-Schwäche Syndrom". AIDS bezeichnet also die breits ausgebrochene Krankheit, die sich durch die Zerstörung weißer Blutkörperchen und eine damit stark geschwächte körpereigene Abwehr bemerkbar macht.

HIV ist die Kurzform des englischen Human Immun Deficiency Virus. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das "menschliches Immun-Schwäche Virus". Hierbei handelt es sich also um die Bezeichnung des krankheitsverursachenden Virus, nicht die Krankheit selbst.

Wie verläuft eine Infektion mit HIV?

Das HI-Virus findet meist Eingang in den Körper über die Schleimhäute. Es wird über winzige Wunden in den Körper aufgenommen, kann so in die Blutbahn gelangen und sich ausbreiten. Dabei befällt es die T-Helferzellen des Immunsystems, in denen es sich vermehrt. Diese Zellen sind aber wichtig für die körpereigene Abwehr: Sind sie funktionsunfähig, kann der Körper Infektionen nicht mehr bekämpfen.

Funktionsweise-des-HI-Virus

HIV kann über verschiedene Körperflüssigkeiten einer infizierten Person übertragen werden. Dazu gehören Blut, Sperma, Vaginal- & Analflüssigkeit sowie Muttermilch. Über Schweiß, Speichel oder Urin ist das Virus nicht übertragbar. HIV ist ein fragiles Virus und kann außerhalb des Körpers nicht lange überleben.

Wie effektiv wirkt die PrEP?

Emtricitabin und Tenofovirdisproxil werden bei der Therapie des HI-Virus sowohl einzeln als auch in Kombination miteinander verwendet. Die beiden Wirkstoffe sind in verschiedenen Medikamenten zur HIV-Therapie enthalten, unter anderem in Truvada.

Infolgedessen wurden weltweit Studien zur Untersuchung des Ansteckungsrisikos bei Anwendung der PrEP durchgeführt. Insbesondere die Risikogruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) wurde ausgiebig studiert. Bei einer regelmäßigen täglichen Einnahme der Präparat konnte eine Senkung des Ansteckungsrisikos um 86 % gegenüber ungeschütztem Sexualkontakt festgestellt werden.

Es wurden bislang nur wenige Studien mit betroffenen heterosexuellen Paaren oder weiblichen Probanden durchgeführt und nur wenige Ergebnisse davon sind aussagekräftig. Die ordnungsgemäße Durchführung der Studien scheitere in vielen Fällen an der zuverlässigen täglichen Einnahme der PrEP zu stets der gleichen Uhrzeit durch die Probanden. Wurde die Einnahme vergessen, verzögert oder ganz ausgelassen, so beeinflusst dies die Wirksamkeit der Präparate und somit auch die Forschungsergebnisse.

Für wen ist die PrEP geeignet?

Tenofovir, so der kurze Handelsname von Tenofovirdiproxil, hat im Vergleich zu anderen Präparaten relativ wenige und vor allem nur leichte Nebenwirkungen. Sehr wenige Personen berichteten in den Studien während des ersten Monats der Einnahme von Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel. Nach einem Monat verschwanden diese Nebenwirkungen.

Dei PrEP kann die Nierenfunktionen beeinträchtigen. Die Funktionsfähigkeit der Nieren ist während der gesamten Einnahmezeit des Medikaments etwas verringert. Für gesunde Menschen stellt dies grundsätzlich kein Problem dar, bei einer bestehenden Nierenunterfunktion sollte auf die Einnahme von Tenofovir jedoch verzichtet werden. Vor Therapiebeginn ist eine Nierenfunktionsprüfung unbedingt nötig, um bislang unentdeckte Beeinträchtigungen auszuschließen. Auch während der Therapie sollte wenigstens einmal jährlich eine ausführliche ärztliche Untersuchung erfolgen.

Die PrEP darf nur dann eingesetzt werden, wenn die Therapie zuverlässig und über einen langen Zeitraum erfolgen kann. Die die tägliche Einnahme muss täglich und möglichst immer zur gleichen Uhrzeit erfolgen. Wird diese Regelmäßgkeit nicht eingehalten, wird die Wirkung geschwächt und das Ansteckungsrisiko dementsprechend vergrößert. Bei leichtfertiger und unregelmäßiger Einnahme der PrEP bzw. unbemerkter Infektion mit dem HI-Virus besteht außerdem das Risiko, dass sich eine Resistenz gegen den Wirkstoff entwickelt. Das würde bedeuten, dass die Infektion später nicht mit Medikamenten unterdrückt werden kann.

Die Einnahme der PrEP ist also nur für Personen geeignet, die gesund sind, sich regelmäßig ärztlich untersuchen lassen und diszipliniert täglich eine Tablette einnehmen können. Regelmäßige HIV-Tests im Abstand von drei Monate sind ebenfalls ratsam.

Kosten-Nutzen Analyse: Ist die PrEP den hohen Preis wert?

In den letzten Jahren lag die Zahl der Neuinfektionen zwar über dem Niveau der 1990er Jahre, blieb aber weitgehend konstant. Basierend auf der hohen Akzeptanz der PrEP in der Risikogruppe der MSM und der bei korrekter Anwendung nachgewiesenen Wirksamkeit gehen Experten davon aus, dass zwischen 2018 und 2030 9.000 Neuinfektionen verhindert werden können.

Obwohl die Behandlung mit Truvada weiterhin sehr kostenintensiv ist, sollten auch die nach einer Infektion entstehenden hohen Kosten für das Gesundheitswesen einberechnet werden. Wer einmal infiziert ist, trägt das Virus bis zum Ende seines Lebens in sich. Die Therapie zur Unterdrückung der Krankheit kostet die Krankenkassen je Person etwa 17.000 Euro jährlich. Mit einer deratigen medikamentösen Behandlung leben Betroffene in der Regel noch gut und lange weiter. Die PrEP mit Truvada kostet derzeit hingegen nur etwa 6.650 Euro jährlich. Hinzu kommt noch, dass die Kosten eines Arzneimittels sinken häufig nach ein paar Jahren. Mit Auslaufen des Patents wird durch die Einführung verschiedener Generika zu niedrigeren Preisen der Markt konkurrenzfähiger was sich widerum auf die Preise auswirken wird. Somit sind Einparungen durchaus denkbar und das Gesundheitssystem könnte entlastet werden.

In Köln hat es indes der Apotheker Erik Tenberken geschafft, mit dem Generika-Hersteller Hexal zu verhandeln. Der Hersteller hat sich bereit erklärt, die 28-Tabletten Blister mit seinem Truvada-Generikum für 51 Euro an ausgewählte Apotheken zu verkaufen, wenn Tenberken das Geschäft koordiniert. Das Präparat von Hexal ist für die PrEP zugelassen, jedoch nicht für die HIV-Therapie. Somit ist das Medikament in ausgewählten Apotheken mit speziellem Rezept schon für etwa 50 Euro monatlich erhältlich.

Die Verfügbarkeit der PrEP in Deutschland

Zur Therapie von HIV-positiven Menschen ist Truvada schon länger in Deutschland zugelassen, seit kurzem auch zur Präexpositionsprophylaxe. Allerdings sind die Tabletten extrem kostenintensiv und bislang besteht keine gesetzliche Vorlage zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Truvada muss weiterhin vom Patienten selbst bezahlt werden, wenn es zur PrEP verwendet wird.

Quellen: