Verhütungsmethoden nach Geburt und in der Stillzeit

Wenn der Stress der Geburt und die ersten Tage mit dem Nachwuchs überstanden sind, steigt bei vielen Paaren die Lust auf Sex wieder an. Verhütung ist dann genauso wichtig wie vor der Schwangerschaft, denn das Stillen ist kein sicherer Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft.

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Das Stillen ist kein sicherer Empfängnisschutz

Wenn das Baby gestillt wird, produziert der Körper das Hormon Prolaktin (auch Laktotropin genannt), das für die Milchbildung in der Brust zuständig ist. Außerdem unterdrückt dieses Hormon die Aktivität der Eierstöcke. Diese Verhütungsmethode bietet einen sicheren Empfängnisschutz nur unter bestimmten Umständen, deshalb sollte auf jeden Fall verhütet werden.

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Dazu gehören unter anderem:

  • sehr häufiges Stillen (Tags und Nachts, insgesamt mindestens 80 Minuten täglich)
  • nach der Geburt noch keine Menstruation aufgetreten (der Wochenfluss zählt nicht)
  • der Säugling darf nicht älter als sechs Monate sein
  • keine Zufütterung bei gestillten Baby

Verhütungsmethoden in der Stillzeit auf einen Blick

Derzeit verhüten in der Stillzeit nur ungefähr zwei Drittel der Frauen. Manche wünschen sich direkt das nächste Kind, andere wiederum wissen nicht, dass eine erneute Schwangerschaft möglich ist. Es stehen aber verschiedene Verhütungsmethoden zur Auswahl. Fast die Hälfte der verhütenden Mütter entscheidet sich für Kondome, weil sie ihren Körper nicht mit noch mehr Hormonen belasten wollen.

Etwas über ein Drittel entscheiden sich für die Pille und ungefähr ein Zehntel für andere hormonellen Methoden der Empfängnisverhütung. Ungefähr 8 Prozent haben eine natürliche Verhütungsmethode gewählt.

Barrieremethoden

Mit 50 Prozent ist das Kondom das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel während der Stillzeit. Kondome sind bei richtiger Anwendung zu 100 Prozent sicher und haben keinen Einfluss auf den Hormonhaushalt, die Milchproduktion oder das Baby, deshalb ist dieser Methode besonders empfehlenswert. Während des Wochenflusses ist die Gebärmutter sehr empfindlich, aus diesem Grund kann es dann auch leicht zu Unterleibsentzündungen kommen. Mit einem Kondom sind diese jedoch ausgeschlossen.

Die anderen mechanischen Verhütungsmittel, wie das Diaphragma oder die Protiokappe sind zur Verhütung nach der Geburt eher unbeliebt, obwohl sie den gleichen Vorteil wie das Kondom haben, sie greifen nämlich nicht in den Hormonhaushalt ein. Diese sogenannten Barriere-Verhüter sind besonders dann empfehlenswert, wenn Frau bereits vor der Schwangerschaft erste Erfahrungen mit ihnen gesammelt hat. Sie müssen nach der Geburt auf jeden Fall erneut angepasst werden, dafür entfällt die lästige Pause zum überziehen des Kondoms und es können eigentlich keine Anwendungsfehler passieren.

Hormonelle Verhütungsmethoden

Die hormonellen Verhütungsmethoden sind auch in der Stillzeit die sichersten, allerdings stehen nicht alle Methoden zur Verfügung. Für stillende Mütter ist die Antibabypille eher ungeeignet, denn das dort enthaltene Östrogen bremst die Milchproduktion und außerdem gelang das Östrogen über die Muttermilch in den Körper des Kindes und kann hier Schäden anrichten.

hormonelle verhütung

Östrogenfreie Verhütungspräparate beinhalten lediglich künstlich hergestellte Gestagene und dementsprechend bremsen die Milchproduktion nicht. Gestagene verhindern im Gegensatz zu den Östrogenen nicht den Eisprung, sondern machen den Schleim der Gebärmutter undurchdringlich. Zu diesen Methoden zählen die Minipille, die Dreimonatsspritze, die Hormonspirale sowie das Hormonimplantat.

Die Dreimonatsspritze muss alle drei Monate vom Arzt gespritzt werden. Ein Hormonimplantat ist ein kleines Stäbchen, dass in den Oberarm eingeführt wird. Dieses Implantat verändert allerdings die Regelblutung, sodass es bei einigen Frauen zum Ausbleiben der Regel kommen kann, bei einigen wird sie schwächen, bei anderen stärker. Außerdem können immer wieder stärkere Zwischenblutungen auftraten, weswegen immer Binden getragen werden müssen, da Tampons die Scheide austrocknen wenn kein Regelblut kommt.

Die Hormonspirale, welche in die Gebärmutter eingesetzt wird, ist ebenfalls sehr bevorzugt während der Stillzeit. Damit sollte aber mindestens 3 Monate gewartet werden, besser noch ein halbes Jahr, weil die Spirale die Gebärmutter reizen kann.

Natürliche Verhütung

Natürliche Verhütungsmethoden (Billingsmethode, Kalendermethode, Temperaturmethode) sind nach der Geburt nicht empfehlenswert, da ein regelmäßiger Zyklus noch nicht vorhanden ist. Die Methode hat den Vorteil, dass die Milchproduktion nicht gehemmt wird und auch keine Hormone auf das Kind übertragen werden können. Wichtig ist, dass sich die junge Mutter ausführlich mit diesen Methoden beschäftigt hat und am besten auch schon Übung hat.

Die natürlichen Verhütungsmethoden funktionieren zwar grundlegend, allerdings bieten sie keinen sicheren Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft. Für 100-prozentige Sicherheit sollte eine andere Verhütungsmethode gewählt werden.

Welche Verhütungsmethode ist während der Stillzeit am besten geeignet?

Grundlegend sollte beachtet werden, dass jedes Verhütungsmittel besser funktioniert als nur zu denken, dass in der Stillphase nicht verhütet werden muss. Außerdem sollte die Verhütungsmethode ruhig schon ein paar Tage nach der Geburt geklärt werden, denn im Eifer des Gefechts muss diese feststehen.

Verhütungsmethoden Vergleich

Die hormonellen Methoden haben bestimmte Nachteile (hoher Hormongehalt, unerwünschte Nebenwirkungen können auftreten), deshalb sollte abgewogen werden, ob es eine hormonelle oder eine mechanische Verhütungsmethode werden soll. Kondome haben allerdings den Nachteil, dass es zu Fehlern in der Anwendung kommen kann und in der Pause, die fürs überziehen gebraucht wird, schwindet manchmal die Lust ein wenig. Des Weiteren bieten Kondome nur einen mäßig sicheren Empfängnisschutz (der Pearl Index beträgt lediglich 2-12).

Die anderen Barrieremethoden (Frauenkondom, Lea Contraceptivum, Diaphragma und Portiokappe) schütten keine Hormone aus, sind dafür aber nicht 100 prozentig sicher (der Pearl Index beträgt zwischen 2 und 20) und müssen bei der Anwendung erst angepasst werden.

Die Antibabypille kommt erst in Frage, wenn nicht mehr gestillt wird und die Spirale sollte auch erst nach einem halben Jahr eingesetzt werden.

Alle gängigen Verhütungsmethoden nach Geburt und in der Stillzeit in tabellarischer Übersicht:

Hormonelle Verhütung

Methode Pearl-Index* Verwendungszeitraum Vorteile Nachteile
Minipille 0,14 - 3 1 Monat / Zyklus niedriger Hormongehalt Nebenwirkungen können auftreten tägliche Einnahme zur selben Uhrzeit erforderlich
Hormonspirale 0,16 5 Jahre nahezu 100% Empfängnisschutz Regelblutung wird deutlich schwächer Schmier- und Zwischenblutungen Risiko einer Eileiterschwangerschaft
Dreimonatespritze 0,3 - 0,88 3 Monate nahezu 100% Empfängnisschutz kein Anwendungsfehler möglich hoher Hormongehalt häufige Blutungsstörungen
Hormonimplantat 0,8 3 Jahre nahezu 100% Empfängnisschutz kein Anwendungsfehler möglich niedriger Hormongehalt häufige Blutungsstörungen selbstständige Einsetzung und Entfernung nicht möglich hormonbedingte Nebenwirkungen möglich

Barrieremethode

Methode Pearl-Index* Verwendungszeitraum Vorteile Nachteile
Kondom 2-12 pro Anwendung Schutz vor Geschlechtskrankheiten einfache Verwendung, billg eventuelle Hautirritationen mäßig sicherer Empfängnisschutz
Frauenkondom 5-25 pro Anwendung Schutz vor Bakterien und Infektionen hormonfreie Verhütung umständliche Anwendung unsicherer Empfängnisschutz
Kupferspirale 0,6-2,7 3-5 Jahre hormonfreie Verhütung relativ hoher Empfängnisschutz Auftreten einer Unterleibsentzündung häufig Zwischenblutungen
Lea Contraceptivum 2,2 - 2,9 1-2 Jahre Verhütungsmittel ohne Hormone Anwendung nur bei Bedarf Schleimhautreizungen oder Scheidenentzündungen erhöhtes Risiko für Harnweginfektionen
Diaphragma 6-20 1-2 Jahre Verhütungsmittel ohne Hormone Anwendung nur bei Bedarf Risiko einer Latexallergie sollte immer mit Spermiziden kombiniert werden
Portiokappe 6-18 mind. 1 Jahr Verhütungsmittel ohne Hormone Anwendung nur bei Bedarf Risiko einer Latexallergie sollte immer mit Spermiziden kombiniert werden

Natürliche Familienplanung

Methode Pearl-Index* Verwendungszeitraum Vorteile Nachteile
Temperaturmethode 0,8-3 regulär/dauerhaft natürliche Verhütung ohne Hormone geeignetes Thermometer erforderlich gut kombinierbar mit Barrieremethoden Aufzeichnungen über längeren Zeitraum erforderlich Fehlermöglichkeiten bei der Temperaturmessung Temperaturverläufe müssen aussagekräftig sein
Symptothermale Methode 0,3 regulär/dauerhaft hormonfreie Verhütung ein geeignetes Thermometer erforderlich gut kombinierbar mit Barrieremethoden täglich notwendiges Temperaturmessen Fehlermöglichkeiten bei der Temperaturmessung Temperaturverläufe müssen aussagekräftig sein
Verhütungscomputer (Zykluscomputer) 0,3-6 regulär/dauerhaft natürliche Verhütung ohne Hormone keine Nebenwirkungen gut kombinierbar mit Barrieremethoden allein keine eigenständige Verhütungsmethode relativ kostspielig verschiedene Faktoren können die Resultate beeinflussen
Coitus interruptus (der unterbrochene Geschlechtsverkehr) 4-18 pro Anwendung natürliche hormonfreie Verhütung Anwendung ohne Vorbereitung und Hilfsmittel immer und überall verfügbar sehr unsichere Verhütungsmethode Zwang zur Selbstbeherrschung kein Schutz vor Geschlechtskrankheiten
Knaus-Ogino-Methode (Kalendermethode) 9-30 regulär/dauerhaft natürliche hormonfreie Verhütung kostenlose Methode verlangt keinerlei Hilfsmittel sehr unsichere Verhütungsmethode Zyklusschwankungen können auftreten lange Phasen der Enthaltsamkeit erforderlich
Billingsmethode (Zervixschleim-Methode) 5-35 regulär/dauerhaft natürliche Verhütung ohne Hormone kostenlose Methode verlangt keinerlei Hilfsmittel sehr unsichere Verhütungsmethode Erfahrung und Disziplin notwendig hoher Aufwand
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Quellen: